Im Zoo

Hm, in diesem Blog gibt es bisher entschieden zu wenig Tiere – da muss sich was ändern! Am meisten Spaß macht Tiere zeichnen immer noch live am Subjekt im Zoo, obwohl oder gerade weil das eine besondere Herausforderung darstellt. Die Viecher bewegen sich einfach ständig. Selbst wenn sie eigentlich nur so rumliegen. Mehr als die nötigsten Striche sind da nicht drin, aber in der Reduktion liegt ja auch etwas Reizvolles.

antilopenDiese Hirschziegenantilopen beispielsweise (doch, die heißen wirklich so – da konnte sich wohl jemand nicht entscheiden): beschauliche Szene, aber in den 10 Minuten haben sich ein paar Tiere umgedreht, andere sind weggegangen, und eine große Antilope latschte mittendurch und scheuchte einige Tiere auf. Anders als bei einem Foto bekommt man eigentlich nie eine Momentaufnahme, sondern immer eine Art Collage über einen längeren Zeitraum. Wenn es gut geht, sieht die fertige Skizze dennoch stimmig aus. Könnte auch interessant sein, das ständige Gewusel irgendwie abzubilden…

steinbock
Die Schlafhaltung des Alpensteinbocks sieht unbequem aus – hat auch ziemlich herumgezappelt zwischendurch. Außerdem ist er etwas kompakt geraten, weil sein Hinterteil an den linken Rand meines Blattes stieß. 🙂

rhinoGibt es nicht behäbigere Tiere? Ein Rhinozeros kann ganz gut stillhalten. Aber natürlich muss es auch mal den Kopf heben und sich umgucken.

schildkroeten
Selbst Schildkröten können erstaunlich mobil werden. Hier habe ich vor einiger Zeit eine Gruppe von vier ruhig dösenden Panzertieren zeichnen wollen. (Wer hat’s erkannt? Genau, das sind die Schildkröten aus dem Header.) Eines machte sich mittendrin davon. Na gut, dann halt nur drei. Kurz darauf wurde mir klar, wo der hinwollte: unzweideutiges Getöse außerhalb meines Blickfelds. Bis ich mich der Show widmen konnte, war allerdings auch alles schon fast wieder vorbei. Das vollkommen erledigte Schildkrötenmännchen war dann aber auch wieder gut 🙂

panda
erdmaennchen
Zum Schluss noch zwei Vertreter der klein-und-niedlich Pelztierfraktion: kleiner roter Panda (da wäre Farbe gut) und Erdmännchen.

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Fixierunfall

Aus der Abteilung „dumm gelaufen“… vor einiger Zeit hatte ich im paläontologischen Museum einige schöne alte Knochen gezeichnet, und dann gegen Verschmieren mit Fixierspray behandelt. Leider musste ich feststellen, dass das keine gute Idee ist, wenn man auf der anderen Seite des Blattes schon Fineliner verwendet hat. Der arbeitet sich dann ganz hervorragend durch:

riesenhirsch baerenunfall

Vielleicht könnte ich ja versuchen, den Fisch im Bärenschädel zur Kunst zu erklären?

Vielleicht, hmmm… so in der Art: Der Widerschein des einst vom Bären gefressenen Fisches erweckt im Betrachter das Bild des Überlebenskampfes der Kreaturen vor Urzeiten. Das Opfer des Fisches hat den Bären nicht retten können, er ist heute tot und ausgestellt, während der kleine Fisch höchst lebendig herumschwimmt. Das ist von der Hermeneutik her schon ziemlich dialektisch, und auch irgendwie bedeutend. Finde ich.

Nun ja, vielleicht liefert das Etikett „Riesenhirsch“ auf der anderen Skizze den passenderen Kommentar 😉

 

 

Zeichnen für Sportler 2: Intervalltraining

Beim Intervalltraining gibt man dem Körper kurze, intensive Reize (z.B. 400m Sprints statt gleichmäßiges Jogging), mit kurzen Erholungspausen. Mich erinnert das stark an eine meiner Lieblingsübungen: Minutenskizzen! Ich mache immer nur zehn Stück, mit Stoppuhr. Das kostet per Definition nicht viel Zeit, und ist ein gutes Training. Wenn man es nicht gewohnt ist, stellt man erst mal fest, wie verdammt kurz so eine Minute ist. Das sieht dann etwa so aus:

minutenskizze1

Meistens ergeben sich daraus interessante Beobachtungen. Beispielsweise:

  • dass in so kurzer Zeit trotzdem eine erkennbare Abbildung zustande kommen kann
  • wie von der ersten furchtbar ungelenken Kritzelei bis zur letzten die Sicherheit schon zunimmt (Stichwort Aufwärmen)
  • dass Katzen zwar den ganzen Tag rumliegen, aber nicht mal ansatzweise eine Minute stillhalten

Verblüffend finde ich auch, dass gerade hoffnungslos komplexe Dinge mit tausend Falten und Verwerfungen oft am lockersten daherkommen, wie vielleicht so was hier:

minutenskizze2minutenskizze3

Ebenso wie im sportlichen Training Trainingsreize variiert werden, ist es auch hier gut, die Aufgaben immer mal zu ändern. Man stellt schnell fest, dass selbst die anfangs ultrastressigen Minutenskizzen irgendwann keine echte Herausforderung mehr sind. Also vielleicht mal nur 30 Sekunden? Steigern von einer Minute bis 20 Sekunden, oder umgekehrt? Material wechseln? Stift nicht absetzen? Der Fantasie sind (hoffentlich) keine Grenzen gesetzt.

 

Raufarhólshellir

Raufar… – wie bitte? Dieses Bild zeigt den Weg zum Ausgang einer von Islands vielen Höhlen, in diesem Fall eine der besonders einsturzgefährdeten… würde mich nicht wundern, wenn sie mittlerweile abgesperrt wäre. Überall Geröll und eine löchrige Decke. Die Höhle hatte allerdings auch etwas für sich: Es hat da drin nicht so unglaublich geschüttet wie außerhalb. Der Sommer 2013 war wohl selbst für isländische Verhältnisse sehr regenreich.

raufarholshellir

Die Technik, die ich hier verwendet habe, heisst Grattage: Mit bunten Wachsmalstiften wird das Motiv grob und kräftig skizziert. Dann mit schwarzer Farbe zupinseln, trocknen lassen. Zum Schluss mit einem spitzen Gegenstand die Wachsschicht wieder freischraffieren. Mit schwarzer Farbe eignet sich das gut für Nachtszenen, oder eben auch eine dunkle Höhle.

 

Bäume

Bäume zeichnen finde ich schwierig. Sind sie im Hintergrund, weiß ich nicht so recht was mit ihnen anzufangen. Im Vordergrund werde ich von der Komplexität erschlagen.

stamm
Sich auf einen Teil des Baumes, wie hier den Stamm mit der Bruchstelle, zu beschränken, geht eigentlich ganz gut. Allerdings sieht diese (wenn ich mich recht erinnere) Buche jetzt eher aus wie eine Birke.

baumHier habe ich mir einen Baum im Englischen Garten vorgenommen, bei dem die Struktur des Astwerks schön sichtbar war. Mir ging aber irgendwann die Geduld aus, was sich in den unschönen Schraffuren und fehlenden Details beim Stamm äußert.

baum_verwischtHabe heute ein bisschen im Internet gestöbert, wie ich des Baum-Problems Herr werden könnte. Es gibt eine große Anzahl von Tutorials (einfach mal nach „Bäume zeichnen“ googeln), die lustigerweise mal sagen „Bäume zeichnen ist ganz einfach“, und mal „Bäume zeichnen ist schwierig“. Bin dann gleich in den Park und habe herumprobiert. Die Zeichnung hier links (habe nur den halben Baum „getestet“) ist so entstanden:

  1. Mit einem relativ harten Bleistift Stamm und Umrisse vorzeichnen. Auch ein paar Äste im Blattgewusel durchscheinen lassen.
  2. Die schattigen Teile und die dunklen Unterseiten der Blattbüschel mit einem sehr weichen Bleistift (8B) schraffieren.
  3. Diese Stellen verwischen, bis eine wolkige Struktur entsteht. Ich habe dazu einen Stumpen aus fest zusammengerolltem Papier verwendet.
  4. Die Schatten nochmal nachdunkeln.
  5. Den Stamm ebenso etwas dunkel verwischt zeichnen.
  6. Mit einem härteren Stift (HB bis 2B) die Kontur des Stammes, ein paar Details der Rinde, und einzelne Blätter andeuten.

Geht sicher noch besser, sieht aber auf Anhieb schon mal viel baumiger aus. Und geht immer noch flink genug für eine Skizze unterwegs.

zweig_verwischtDie selbe Technik habe ich noch mit einem herabhängenden Ast probiert. Wenn man ein paar einzelne Blätter herausarbeitet, kann das auch gut funktionieren.