Tusch!

Tusche wollte ich schon lange mal ausprobieren. Hab mich also hingesetzt und – na was wohl? – einen Drachen so ganz traditionell mit Zeichenfeder und Pinsel gezeichnet.

drache-werkzeugVorgezeichnet habe ich mit Bleistift, dann die Konturen mit der Feder nachgezogen und den Bleistift wegradiert. Abschließend noch mit Pinsel und verdünnter Tusche die Schatten nachgezogen. Die Feder ist gar nicht so leicht zu kontrollieren, mal kratzt es nur, dann wieder wird der Strich zu fett. Braucht wohl noch Übung. Aber im Prinzip kann man damit wirklich tolle, feine Linien von satter Schwärze erzeugen. Bin begeistert 🙂

drache-getuschtHier nochmal das Resultat. Schon ganz nett dramatisch, oder?

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Herbstlaub-Studie

Obwohl das Wetter sich ja grad mehr so grau in grau präsentiert, bietet der Herbst doch immer wundervolle Farben. Ich habe die Gelegenheit genutzt, ein bisschen Laub gesammelt, und die Kreide ausgepackt. Immer wieder schön, zur Abwechslung was mit Farben zu machen, aber auch verteufelt schwer, die Töne richtig zu treffen. Bei meinen 36 Kreiden muss ich schon ziemlich wild mischen, damit es einigermaßen hinkommt.
herbstlaub

Marmor und noch mehr Drachen

drachenrelief

Nach der Begegnung mit dem wolligen Drachen auf dem Gemälde neulich halte ich vermehrt Ausschau nach weiteren Exemplaren. Hier ist einer auf einem Relief aus der Glyptothek – leider habe ich vergessen, mir zu notieren, was die Szene eigentlich darstellt.

Bei näherem Hinsehen hat mir nicht eingeleuchtet, wie die Flügel funktionieren sollen, und was da genau zwischen vorderem und hinterem Ende passiert, ist auch nicht ganz klar. Aber dennoch ein beeindruckendes Stück Marmor.

statue-schildstatue-knieendDie Säle der Glyptothek sind übrigens sehr zeichenfreundlich – es stehen extra Klappsitze herum, die man sich mitnehmen kann, das Licht ist toll, und überall sitzen Leute und skizzieren. Guter Tipp am 1 Euro-Museums-Sonntag!

drachenkoepfeDrachen zeichnen ist ja auch für sich genommen ein reizvolles Thema. Die beiden hier sind nach einem sehr netten Drachenzeichenbuch von Christopher Hart. Bei ihm sind das in aller Regel recht übel gelaunte Kreaturen.

Dem eigenen Strich vertrauen

In einem früheren Beitrag hatte ich mich ja schon mal über den Wert von Minutenzeichnungen ausgelassen. Gelegentlich kann man aus solchen Übungen auch wirklich erhellende Einsichten gewinnen.

Was macht für mich eine gelungene Skizze aus? Es gibt viele Faktoren, aber wenn ich mir schöne Exemplare von anderen Zeichnern ansehe, dann beeindruckt mich doch immer ein konsequenter Strich am meisten, eine große Klarheit im Ausdruck. Mit meinen eigenen Ergebnissen bin ich da teilweise nicht so einverstanden, was ich hauptsächlich auf (noch) mangelnde Sicherheit bei der Linienführung geschoben habe. Muss man halt mehr üben. Ist ja auch nicht falsch, aber…

… im wesentlichen geht es um Entscheidungen. Man liest das so oft, aber die praktische Erfahrung ist doch was ganz anderes. Hier mal drei ähnliche Motive im Vergleich, jeweils in einer Minute entstanden.

 

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fant1 fant2

figur1 figur2

Links „wie gehabt“, rechts habe ich mir heute das ständige Nochmal-über-die-Linie-zeichnen verboten. Was für ein Unterschied! Die Linien sind natürlich in keinster Weise genauer als links (bin ja immer noch ich mit Stoppuhr), aber der Gewinn an Entschiedenheit und Vertrauen ist deutlich sichtbar. Ich fühle mich erleuchtet 🙂

 

 

Drache oder nicht Drache?

Am Wochenende habe ich der alten Pinakothek hier in München einen Besuch abgestattet. Leider ist ja zur Zeit die Hälfte der Ausstellung wegen Sanierung gesperrt. Bei den gezeigten deutschen Malern sind fast ausschließlich Bibelszenen zu bewundern – finde ich auf Dauer nicht besonders spannend. Auf einem Bild war jedoch ein wirklich bizarres Untier abgebildet, das ich sofort abzeichnen musste.

drachenartig

Mein erster Eindruck war „Drache“, aber der Vogelschnabel und der diffus-wollige Körper (lockiges Hundefell?) passen da nicht so recht zu. Flügel sind auch weit und breit nicht zu sehen. Andere Bilder aus der Zeit zeigten durchaus mit dem modernen Drachenverständnis kompatible Darstellungen.

Ein großes Fragezeichen hinterlässt auch das Tuch, das dem armen Ding aus dem Rachen quillt. Überhaupt ist der Unterkiefer merkwürdig schief. Irgendwie habe ich den leisen Verdacht, dass der Künstler sich da vielleicht ein wenig vertan hat, und kurzerhand ein hübsches Stück Textil drüber malte. Aber das ist natürlich nur eine haltlose Unterstellung.

Wer sich das mal selbst ansehen möchte: Das Detail ist aus dem Bild „Die hl. Evangelist Johannes und Margarethe“ vom (namenlosen) Meister des Bartholomäus-Altares.

Elefantenbaby

Der hier ist auch wieder aus dem Tierpark Hellabrunn. So eine Elefantenhaut ist sehr dankbar beim Skizzieren, da kann man sich mal ein paar entschiedene Striche zutrauen – bin ja sonst eher etwas vorsichtig.

Der Kopf ist mir eigentlich zu klein geraten, hat aber interessanterweise nur den Effekt, dass der Kleine noch jünger wirkt.

elefantenbaby

Känguru

Nach so vielen Skizzen in letzter Zeit hatte ich Lust, ein Tier etwas sorgfältiger auszuarbeiten – und gerne auch mal wieder Kreidestaub an den Fingern zu spüren. So ist dieses Känguru in (hauptsächlich) Pastell entstanden:

kaenguru-final

Für den Fall, dass jemand von euch Lust hat, auch was in der Art zu machen, hier die ausführliche Dokumentation des Entstehungsprozesses (quasi ein Tutorial):

Vorarbeit

Direkt nach der Natur kann zumindest ich sowas nicht zu Papier bringen. Also habe ich eine Reihe Kängurufotos geschossen, und eine Menge Skizzen in verschiedenen Posen gemacht. Dabei merkt man schnell, was man an dem Tier besonders bemerkenswert findet und herausstellen möchte. In diesem Fall fand ich den eleganten Schwung vom Körper und den Beinen bis zur Schwanzspitze toll. Ich habe mich deshalb für eine seitliche Ansicht entschieden, und noch ein bisschen nach der besten Haltung gesucht. Die hier zum Beispiel sind dafür nicht so ideal:

kaenguru-posen

Dann habe ich noch einige Zeit damit verbracht, mit meinen Stiften und Pastellkreiden zu experimentieren, um die Kontur und das Fell richtig hinzukriegen:

kaenguru-entwurf

Letztendlich wollte ich es dann gerne etwas luftiger und nicht so „ausgemalt“ haben. Gerade wenn man noch nicht so genau weiß, wohin es gehen soll, finde ich solche Vorstudien sehr wertvoll. Man möchte sich ja nicht später das Blatt ruinieren.

Jetzt aber

So, nachdem mir klar ist, was ich eigentlich haben will, kann’s ja losgehen. Zuerst mache ich eine sehr dünne Vorzeichnung (Bleistift HB) und lege die Konturen an. Unten schwarz und schattig (Pitt Oil Base Soft), oben nur ganz leicht mit Rötel. Die Kontur soll auf keinen Fall stupide durchgezeichnet werden, das raubt dem Ganzen sofort jeden Schwung. Die Schattierung im Gesicht mache ich vorsichtig mit verwischter schwarzer Pastellkreide.

kaenguru-1

Im nächsten Schritt trage ich die roten Fellpartien auf, mit rotbrauner Pastellkreide, dezent verwischt. Alles sehr zurückhaltend, die Zeichnung soll größtenteils weiß bleiben. Die Textur des Papiers hilft, das Fell nicht zu glatt aussehen zu lassen.

kaenguru-2

Jetzt kommen die grauen Partien mit ganz leichtem Auftrag von schwarzer Pastellkreide dazu. Die feineren Details mache ich wieder mit dem schwarzen Pitt-Stift.

kaenguru-3

Fast fertig! Nur noch ein bisschen das Volumen und die Muskeln mit rotbrauner und dunkelbrauner Pastellkreide herausarbeiten. Das Schwierigste kommt jetzt: aufhören. Es ist immer gut, zwischendurch einen Schritt zurückzutreten (physisch und mental), und sich zu fragen, ob alles weitere wirklich noch positiv zum Ergebnis beitragen kann.

Letzten Endes habe ich für die Vorbereitungen einige Stunden verwendet, die eigentliche Zeichnung hat dann, in aller Ruhe, nur etwa eine Stunde gebraucht. Das Känguru sieht mit dem Resultat eigentlich ganz zufrieden aus.

 

Zeichnen für Sportler 3: Nachturnen

Aerobic, Ballett, Karate, Skifahren,… man fängt eigentlich immer damit an, die Bewegungen eines Könners (oder Könnerin, selbstredend) nachzumachen, um ein Gefühl für die Sache zu kriegen. Um ungewohnte Abläufe zu verinnerlichen. Zur Inspiration.

Das funktioniert auch beim Zeichnen: Mittlerweile gehe ich gerne mit dem Skizzenbuch ins Museum, um interessante Ausschnitte der ausgestellten Kunst zu kopieren. Kann ich nur empfehlen. Man bekommt einen ganz anderen Zugang, und hat mal Abwechslung vom realistischen Zeichnen nach der Natur. Das macht Spaß, und das Museumspersonal freut sich auch über so viel Interesse an der Kunst.

Hier ein paar Beispiele. Fast alles ist aus dem Franz Marc – Museum in Kochel am See, bis auf die letzten beiden, die in der Pinakothek der Moderne ausgestellt sind. Wäre natürlich gut, hier die Originale danebenzustellen, aber da bin ich mir mit den Bildrechten nicht so sicher.

fohlenFranz Marc – „Junges Pferd in Berglandschaft“. Ausnahmsweise ein nur leicht stilisiertes Pferd. Das Original ist eine Bleistiftskizze, daher recht einfach abzukupfern.

gazelleAuch von Marc – ein Ausschnitt aus „Gazellen“. Ich finde die Linienführung am Hals spannend, außerdem merkt man beim Abzeichnen der Umrisse sofort, wie stark die Farbflächen des Originals die Formwahrnehmung beeinflussen. Die Proportionen wirken vollkommen anders.

umpferstedtLyonel Feininger – „Umpferstedt II“. Das Original ist in sehr fein getuschten Linien gehalten, da kam mir mein Fineliner schon extrem grobschlächtig vor. Wenn man sich mal in diese extravaganten Schraffuren versenkt und mit dem eigenen Stift nachvollzieht, kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Wie macht der das?

stierAuch von Franz Marc – „Rind“. Ein sehr zarter Koloss.

femme-skulpturDas ist ausnahmsweise mal nach einer Skulptur – „Tête de femme“ von Picasso. Die Oberfläche hat mich halb in den Wahnsinn getrieben. Zumal die Skulptur ja auch noch schwarz ist. Das reinste Augen-Zirkeltraining (noch so eine Sportreferenz).

femmeEin Gemälde von Picasso – „Femme“. Scheint hungrig zu sein. Überhaupt: Picasso hat schon eine ungewöhnliche Sicht auf Frauen.

windbrautEins meiner Lieblingsbilder aus der surrealistischen Abteilung: Max Ernst – „Die Windsbraut“. So kann man Pferde also auch darstellen. Wobei der Künstler offenbar vor allem dicke Pferdehintern toll fand. Mir gefällt die „eschermäßige“ gemeinsame Kontur der beiden Figuren. Das ist hier allerdings ohne die Farben des Originalgemäldes etwas schwer auseinanderzuhalten.