Mein erster Aktzeichenkurs

Letztes Wochenende war anstrengend: Zwei Tage Aktzeichnen im VHS-Kurs. Ich war da schon länger mal neugierig drauf, aber fühlte mich dann doch befangen. Wenn man immer nur so vor sich hin kritzelt, weiß man ja nicht so recht, ob man „in der Öffentlichkeit“ bestehen kann. Aber mit viel Ermutigung und Stupsern seitens meiner Freundin hab ich es jetzt mal gewagt.

Die Befangenheit hat sich schnell erledigt: Die zehn Teilnehmer waren bunt gemischt, von blutiger Anfänger bis zu „Hut ab“. Die Atmosphäre entspannt und freundlich. Kann jedem nur empfehlen, sich einfach mal zu so einem Kurs zu trauen. Der Blick über den Tellerrand hilft, sich selbst einzuordnen, und die Ergebnisse der anderen waren auch sehr inspirierend. Viel Anleitung gab es allerdings nicht, man sollte also in etwa selbst wissen, was man da vor hat. Übung im freien Skizzieren und großem Format (A3 oder größer) kann auch nicht schaden. Die Modelle standen in der Regel zwischen 5 und 15 Minuten in einer Pose, da wäre ich nicht weit gekommen, wenn ich die ganze Zeit noch an den Proportionen verzweifelt wäre. Oder immer nur die Hälfte aufs Blatt gepasst hätte.

Wir hatten drei ältere Herrschaften als Modelle, was für mich auch mal eine interessante Abwechslung zu den idealisierten Comicfiguren war, mit denen ich mich meistens beschäftige. In netto ca. 8 Stunden sind so 30 Blätter entstanden, also echt produktiv. Ich war ganz schön erledigt 🙂

Hier eine Auswahl meiner Lieblingszeichnungen:
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Die Dame stützt die Arme hinten auf einen Reifen, den ich nicht mitgezeichnet habe.

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Mein Lieblingsbild. Ich mag diese rote Kreide, und die Tattoos an den Beinen machen sich auch gut.

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Eine anspruchsvollere Perspektive. Mir gefällt vor allem der Kopf.

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Rote Kreide! Diesmal etwas roher aufgetragen.

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Interessante Rückenfalten

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Die Pose war nicht so spannend, also hab ich die Zeit für ein kleines Portrait genutzt.

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Es gab ein paar sportlichere Einlagen, für die wir jeweils 5 Minuten Zeit hatten.

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Interessante Perspektive und nette Lichteffekte. Die hab ich hier ziemlich übertrieben, gefällt mir aber trotzdem.

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Kolorieren am Komputer

Als kleines Geschenk an mich selbst habe ich mir zum Jahreswechsel ein Grafiktablett gegönnt (Wacom Intuos Art). Juhu! Meine erste Übung bestand darin, den wohl mittlerweile „klassischen“ Comic-Workflow auszuprobieren: Bleistiftzeichnung, Tuschen, einscannen, Farben am Computer machen.

Hier ist das Ergebnis – eine modifzierte Star Wars-Pose (na, wer erkennt das Original?):

scifigungirl-smallAuch als Fan von „traditionellen Medien“ muss ich sagen, so was geht am Computer doch echt leichter von der Hand. Die wesentlichen Vorteile:

  • Undo! Dazu muss ich wohl nichts weiter sagen 🙂
  • Fehler in der Tuschezeichnung kann man am Rechner noch ein wenig ausbügeln. Insgesamt spart aber Sorgfalt mit der Zeichenfeder mehr Zeit ein.
  • Für Veröffentlichung im Internet muss man sich nicht mit der Reproduktion von Farben herumärgern, die man vom Papier abfotografiert oder einscannt.
  • Das Arbeiten mit Ebenen erlaubt separates Anlegen von Grundfarben, Lichtern, und Schatten. Man muss nicht mal aufwendig zu jeder Grundfarbe eine passende Schattenfarbe mischen – eine „draufmultiplizierte“ Schattenebene dunkelt jede Farbe passend ab.

Das Ebenenkonzept lässt sich vielleicht am besten an einem Ausschnitt zeigen:

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Von links nach rechts: Grundfarbe, Schatten, Lichter, Konturen (der ursprüngliche, bereinigte Scan), und noch ein paar Extra-Highlights obendrauf.

Mit der mitgelieferten Software (Corel Painter Essentials) war das alles zwar möglich, aber die Version ist doch sehr eingeschränkt. Nächstes Mal probiere ich das mit GIMP, oder muss es etwa doch Photoshop sein?

Five Eyes

Nein, das wird jetzt kein politischer Beitrag über Geheimdienste 🙂 Es geht tatsächlich um: Augen. Die sind so ziemlich das wichtigste und – was Zeichenfehler angeht – empfindlichste Element im Gesicht. Meistens sind sie in einer Zeichnung ja nur sehr klein zu sehen, aber selbst wenn man nur einen Strich und einen Punkt daraus macht: Ein Hauch daneben, und das ganze Gesicht ist schief, die Persönlichkeit falsch getroffen, der Ausdruck anders als beabsichtigt.

Ab und zu zeichne ich deshalb mal nur Augen besonders sorgfältig, um sie besser zu verstehen. Hier sind ein paar Beispiele aus letzter Zeit:

auge5ein geheimnisvolles Frauenauge (mit etwas schief geratener Pupille)

auge3ein Mangaskizzen-Auge, ziemlich manisch

auge4das Auge eines grünen Leguans

auge1dieses Auge hat eine sechseckige Blende und Leiterbahnen in der Iris

auge2ein weiteres Fantasie-Auge mit Tätowierung als Braue, und ovaler Pupille

Gerade die letzten beiden Beispiele zeigen für mich sehr deutlich, was so ein Auge für die Persönlichkeit ausmacht – man meint fast, sich eine komplette Figur dazu vorstellen zu können.